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Der Horror – Oder wie es wirklich ist

Kettlebells zum Kunden zu liefern, kann Nerven-Sache sein. Große Gewichte in unscheinbaren Kartons, auf dem Weg von A nach B: Was so alles passieren kann.

  • Im Logistik-Zentrum beschädigen verpackte Kettlebells die Rollbänder und andere Pakete
  • Im Liefer-Fahrzeug sind Kettlebells wie kleine Bomben. Beim Bremsen schießt die Kugel nach vorne, als wollte sie in der Fahrer-Kabine explodieren
  • Wenn Kartons aussehen wie ganz normale Päckchen, kann sich ein Liefer-Fahrer auch überheben. Danach greift er oder sie nie wieder ohne Skepsis einen Karton „Sport-Artikel“ an.

Die letzten Meter

  • Manche Kunden haben schon erlebt, dass der Bote nur eine nackte Kettlebell in den Hausflur stellt. Der Grund: Anbieter wie Rogue Fitness verschicken ihre Kettlebells in den USA nur mit einem Adress-Aufkleber

    Mit Styropor-Block und Plastik-Hülle gut geschützt
  • Wenn dann noch ein Nachbar diese unverpackte Kugel für eine Bombe hält und die Polizei ruft, steht vielleicht ein Sprengstoff-Kommando vor der Haustür
  • Falsche Adresse, totales Chaos: Paket landet in einer ganz anderen Stadt, Käufer wartet wochenlang vergeblich
  • Paket steht im Regen, Karton wird matschig, Kettlebell beginnt zu rosten
  • Mehrere Zustell-Versuche – Paket wird immer wieder zurückgeschickt und herumgeschoben, Kettlebell liegt mehrere Tage bei verschiedenen Depots.

Alles halb so schlimm

Über Versand und Logistik von Kettlebells berichtet Robert Rimoczi, Begründer der deutschen RKC-Community, Betreiber von KettlebellShop.de und des Kettlebell-Studios KRABA in München:

„Wir haben inzwischen über 60.000 Kettlebells verkauft, davon sicher rund 40.000 als Paket verschickt. Wirklich ‚zerschmetterte‘ Exemplare kommen nur selten vor. Dragon Door hat die Karton- und Styropor-Verpackung über die Jahre stetig verbessert. Allerdings gehen Paket-Dienste immer ruppiger mit Sendungen um – das sieht man auch an der Zahl der Reklamationen.

In den USA verschickt Dragon Door in Hartplastik-Verpackungen. Die sind kaum teurer, aber deutlich robuster. Aus Umwelt-Gründen wollten wir die in der EU jedoch nicht übernehmen. 

Da die meisten Kettlebells unversehrt ankommen und kleinere Kratzer beim Training ohnehin entstehen, ist das in der Regel kein großes Problem. Schließlich ist eine Kettlebell ein Trainings-Gerät, kein Deko-Objekt – und eine Rück-Sendung macht aus logistischer Sicht meist wenig Sinn.

Ein Transport im Auto ist auch unkompliziert: Eine oder zwei Kettlebells kann man auf der Rückbank mit dem Sicherheits-Gurt oder im Koffer-Raum in einem alten Koffer sichern. Wer das nicht schafft, sollte auch keinen Bierkasten transportieren.“

Foto (1): Privat

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Tagebuch Test-Bericht

Test: „Suprfit Elite Kettlebell“ mit 12 kg

Sie ist da! Heute kommt meine neue „Suprfit Elite Kettlebell“ mit 12 kg. Der DPD-Bote trägt sie zu uns hoch ins 3. OG, das ist nicht selbstverständlich, vor allem bei den richtig schweren Kugeln.

Ich besitze bereits eine 28 kg Competition Kettlell von Suprfit, die in Orange. Mit ihr bin ich voll zufrieden, deshalb habe ich nochmals bei diesem Hersteller gekauft.

Die Verpackung von Suprfit besteht aus einem stabilen Außen-Karton, die Kettlebell steckt in einem Styropor-Block und einer Plastik-Hülle.

Erster Blick nach dem Auspacken: Die Verarbeitung ist ordentlich. Laut Suprfit wurden die Kugel und der Griff einteilig („Single Cast“), also ohne Schweiß-Naht gegossen. Der Guss wirkt hochwertig, kein Grat, die Beschichtung („Powder Coating“) gleichmäßig. 

Suprfit gibt eine Gewichts-Toleranz von +3 % und -2 % an. Unsere Waage im Bad zeigt exakt 12,0 kg, Volltreffer!

Der Preis ist von 59,99 € auf 51,99 € reduziert, dazu kostenfreier Versand. Bei Amazon gibt es diese Kettlebell zum gleichen Preis, sie hat 97 Bewertungen, davon vergaben 79 % der Käufer 5 von 5 Sternen. Die häufigste Kritik betrifft die Beschichtung, einigen ist sie zu rau oder kann absplittern.

Zwei Hälften

Eine Hälfte meiner neuen Zwölfer ist abgeflacht, damit die Kugel beim „Bang-free Clean“ sanft auf dem Unterarm landet. Die abgeflachte Hälfte ist wohl von den RKC Kettlebells von Dragon Door übernommen und stammt angeblich von Pavel Tsatsouline. (Eine Zwölfer von RKC kostet 66 Euro plus Versand.)

Auf der abgeflachten Hälfte der Suprfit sind die Gewichts-Angaben in Kilogramm und Pound eingraviert, was dem Unterarm ebenfalls zugute kommt. Das Logo auf der anderen Seite der Kugel ist erhaben.

An den Hörnern gibt’s einen blauen Farbring nach dem internationalen Farb-Code zur Unterscheidung des Gewichts. Für meinen Eindruck geht die Farbe des Rings leicht ins Violett, das eine Kettlebell mit 20 kg haben müsste.

Wo steht sie?

Die neue Kettlebell ist ideal für den Double Clean & Press mit meiner zweiten Zwölfer von den Kettlebell Kings. Ich werde die neue Suprfit also in den Keller runtertragen, wo schon der Kollege wartet.

Vor zwei Jahren schrieb ich einen Test über diese 12 kg Gusseisen-Kettlebell von Kettlebell Kings, allerdings ohne den Preis zu nennen. In den USA kostete sie damals 79,99 US-Dollar. In Deutschland waren die Kettlebells von Kettlebell Kings zu ähnlichen Preisen erhältlich, es gab aber ständig Preis-Aktionen und Sonder-Angebote, trotzdem lagen sie in einer höheren Preis-Klasse als Suprfit.

Mein Fazit: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer auf der Suche nach einer soliden, funktionellen Kettlebell ist, macht mit der Suprfit Elite 12 kg alles richtig.

Aber: Die Oberfläche hat kleine Macken, die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Fast unsichtbar, doch vorhanden. Ist aber nicht so wild, denn ich habe diese Kettlebell zum Training gekauft, nicht für die Vitrine. 

Beim Farb-Ring komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass der blaue und violette Aufkleber beim Hersteller in China verwechselt wurden.

Wenn ich wie bei Amazon Punkte vergeben müsste, kriegt die Superfit Elite 12 kg Kettlebell 4,5 von 5 Punkten.

Plus-Punkte gibt’s für die Einhaltung des Gewichtes, die ergonomisch abgeflachte Hälfte und der günstige Preis.

Was habe ich gelernt? Für meine nächste Kettlebell werde ich trotzdem wieder den höheren Preis einer wirklichen Premium-Marke wie RKC von Dragon Door, Kettlebell Kings oder Rogue zahlen. Denn Spaß kostet.

Nachtrag: Winzige Macken in der Beschichtung sollte man nicht höher bewerten, als sie sind. Hier zwei 8-kg-Kettelbells der Kettlebell Kings, mit denen ich Clean & Press geübt habe, anscheinend mit unsauberer Technik. Meine beiden Zwölfer werden bald auch so aussehen, also was soll’s?

(Alle Angaben vom Okt. 2025)

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Kettlebell Tagebuch

Nike: Gummi-Hülle aus Recycling

In den Social Media tauchen gerade Hinweise auf die neuen „Rubber Coated Kettlebells“ von Nike auf. Die zweite Kettlebell-Reihe des Weltmarkt-Führers, der aus den Marken Nike, Jordan und Converse besteht.

So neu ist die Idee ja nicht, die Kettlebell mit einer Hülle aus Neopren oder Gummi zu versehen. Die Außenhaut soll empfindliches Parkett oder Laminat vor Dellen und Kratzern schützen, wenn man die Kettlebell zu hart absetzt. 

Laut Hersteller hat die Rubber Coated Kettlebell einen Kern aus massivem Gusseisen, umgeben von einer Gummi-Beschichtung, und ein besonders großes Griff-Fenster für beidhändige Bewegungen.

Die Variante in „Nike Grind Smoke Grey“ enthält laut Hersteller ca. 6 % recyceltes Material aus der Schuh-Produktion von Nike, gemessen am Gesamt-Volumen der Kugel. Die Gummi-Schicht besteht zu rund 40 % aus recycelten Nike-Grind-Partikeln. Das Ergebnis ist eine leicht gesprenkelte, dunkle Oberfläche. Die Gewichts-Angabe der Kettlebells ist schwarz hervorgehoben und dadurch leicht zu erkennen.

Das Gewicht der neuen Kettlebells liegt zwischen 4 kg und 24 kg, deckt also das Level von Einsteigern und Fortgeschrittenen bestens ab. Zum ernsthaften Training bevorzugen die meisten Trainer und Studios aber die bewährten Gusseisen– oder Competition-Kettlebells ohne Gummi-Hülle.

Das sollte man bedenken, bevor man die neuen Kugeln von Nike in die engere Wahl nimmt. Wenn man sie öfter auf Beton oder Fliesen absetzt, reißt oder platzt die Hülle mit der Zeit — dann wirkt die Kettlebell schnell unansehnlich.

Die Preise liegen etwas über denen vergleichbarer Premium-Kettlebells. Wer die Gummi-Hülle von Nike nicht möchte, kann aber weiterhin eine Kettlebell von Nike aus reinem Gusseisen kaufen.

Weitere Infos: https://eu.nikestrength.com/

Abbildungen (2): Nike, Inc.

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Senioren Tagebuch Training und Workout Zubehör

Schwer ist leicht was

Seit kurzem besitze ich ein iPad von Apple, dazu die Sport-Uhr Polar Unite mit der Polar Flow App und dem Brustgurt Polar H9. Klingt nach Spielerei – ist es aber nicht. Für mich ein echter Fortschritt im Training, und ich definiere meine Kettlebells ganz anders damit. Aber dazu später.

eBook-Reader, Timer und Puls

Das iPad nutze ich gerne als eBook-Reader. Was auf dem iPhone zu klein und auf dem MacBook zu unhandlich war, passt jetzt perfekt. Ich kann meine eBooks von Pavel Tsatsouline fast wie ein richtiges Buch lesen:

Die Sport-Uhr Polar Unite trage ich rund um die Uhr. Sie zählt die Schritte, analysiert meinen Schlaf, und beim Workout zeigt sie den Puls in farbigen Bereichen an. 

Besonders wertvoll: Bei der Berechnung der Trainings-Zonen und der Belastung berücksichtigt die App mein Alter. Ich trainiere also nicht nach einer starren Norm, sondern in einem Rahmen, der für meine 68 Jahre realistisch und gesund ist. 

Das passiert so: Polar ermittelt aus dem Geburt-Jahr, das ich in der App eingebe, meinen Maximal-Puls. Standard-Formel: ca. 220 minus Alter (bei mir also um die 152 Schläge/Min). Aus diesem Maximal-Puls berechnet Polar die Herzfrequenz-Zonen und zeigt mir an, in welcher Zone ich mich befinde: Moderat oder intensiv, wie auf einer Ampel in Grün, Gelb und Rot.

An der Farbe erkenne ich, wann ich für den nächsten Satz bereit bin. Wo ich früher aus dem Bauch heraus trainiert habe, sehe ich jetzt live und in Farbe, wie mein Körper reagiert.

Mehr Gewicht!

Und jetzt das Spannende: Ich arbeite mit höheren Gewichten! Meine Kettlebells sind auf unsere Wohnung im 3. OG und den Keller verteilt – oben die leichten und im Keller die schweren. In meinem Zimmer stehen zwei Kettlebells mit 8 kg, zwei mit 16 kg und eine Competition Kettlebell mit 20 kg. 

In „Return of the Kettlebell“ beschreibt Pavel Tsatsouline die „Doubles“, also das Training mit zwei Kettlebells. Und siehe da, plötzlich habe ich oben nur noch drei Kugeln:

  • 16 kg (2 x 8 kg)
  • 20 kg
  • 32 kg (2 x 16 kg)

So machen Pavel und Polar mein Training etwas härter – aber auch smarter. Und am Ende des Tages ist es genau das, was zählt: Kontrolle, Progression und ein Setup, das mich ans Limit bringt.

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Literatur Tagebuch Trainer

Ein Workout-Buch mit Cheat Code

Bücher, vor allem aber Videos zum Kettlebell-Training sind nicht gerade selten. Was eher fehlt, sind systematische Trainings-Pläne für die zahlreichen Ziele, die du mit der Kettlebell erreichen kannst.

In diese Lücke stößt das Softcover-Buch „50 Workouts mit der Kettlebell“ von Frank Delventhal aus Hamburg. Es erschien in der „50 Workouts“-Reihe des Riva-Verlags, andere Titel der Reihe behandeln Bodyweight-Übungen, Abnehmen oder Beweglichkeit.

Schon 2014 hat sich der Riva-Verlag mit Kettlebells beschäftigt, damals erschien „Das große Kettlebell-Trainingsbuch“ von Dr. Till Sukopp. Ich hätte beim Verlag ein kostenloses Besprechungs-Exemplar des Werkes von Frank Delventhal anfordern können, aber ich habe das Buch mit eigenem Geld bezahlt, damit ich eine neutrale Rezension schreiben kann.

Das Buch von Frank Delventhal hat ein ansprechendes Format, etwas kleiner als DIN-A4 und so groß wie ein iPad von Apple. Die 50 Kettlebell-Workouts werden auf der linken Seite beschrieben, rechts sind die einzelnen Übungen abgebildet. Den 50 Workouts folgen 22 Seiten mit allen Übungen, die Seitenzahlen sind auch in der Beschreibung des Workouts angegeben. Die Erlernbarkeit der Übungen ist den Stufen Anfänger, Fortgeschritten und Profi zugeordnet.

Auf Anfrage sagte uns Frank dazu: „Das Buch ist ein Workout-Buch, denn es beschreibt nur effektive, zielgerichtete Workouts und ist nicht als Kettlebell Technik-Buch zu verstehen.“

Eine Besonderheit von Frank Delventhal ist das Workout mit dem Anstrengungs-Grad „RIR“ („Reps in Reserve“). Das bedeutet: Du wählst dein Gewicht und die Reps so, dass du noch mehrere Reps in guter Form anschließen könntest. Frank ist der einzige Autor, den ich gelesen habe, der mit dem RIR-Konzept arbeitet, also wie viele Wiederholungen man nach einem Set noch im Tank hätte.

Vorteile von „Reps in Reserve“

  • Steuerung der Belastung: Beim Press, Row oder Curl kann man mit RIR sehr gut einschätzen, ob man sauber trainiert oder zu früh ins Muskelversagen geht
  • Progression sichtbar: Wenn du nach mehreren Wochen Training eine Kettlebell häufiger mit den gleichen RIR drücken kannst, bist du eindeutig stärker geworden
  • Gesundheit: Du kannst besser verstehen, wie lange du für die Erholung nach einem Training brauchst. Dass du nicht zu viele Reps oder Gewichte schaffen willst, schont die Gelenke und schützt damit deine Gesundheit

Das Fazit

Die 12 Euro für das Buch sind gut angelegtes Geld, egal ob Einsteiger oder Profi. Ich selbst nehme das Buch ständig in die Hand, da ich immer wieder Neues darin entdecke, das andere Autoren wie Pavel Tsatsouline oder Johannes Kwella nicht so direkt ansprechen.

Zum Buch gibt es auch einen „Cheat Code“. Dabei handelt es sich um vier Buchseiten, die nicht mehr in das gedruckte Werk reinpassten. Die fehlenden Seiten eignen sich für Coaches und Kettlebell-Enthusiasten, die einen eigenen Trainings-Plan erstellen wollen, der über ein einzelnes Workout hinausgeht. Frank hat uns versprochen, daraus ein separates Produkt zu entwickeln. Wer das dann haben möchte, kann sich in seinen Newsletter eintragen.

Frank Delventhal: „50 Workouts mit der Kettlebell“. Riva Verlag, München, August 2025. Soft-Cover, 144 Seiten. Abmessungen: 19 x 1 x 24 cm. ISBN: 978-3-7423-2895-3. 12 Euro

Fotos (2): Moritz Richter, https://moritzrichter.com/

Weitere Infos: www.hamburg-kettlebell-club.de

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Literatur Tagebuch

Die Bewegung zählt

Unter Kraft-Sportlern und Kettlebell-Freaks gilt „Return of the Kettlebell“ von Pavel Tsatsouline als Klassiker, ist aber außerhalb dieser Kreise oft unterschätzt. Der Grund: Viele Fitness-Fans kennen nur „Swing, Clean, Snatch“-Videos, aber nicht die tiefer gehenden Ansätze, die Pavel vermittelt.

  • Merksatz von Pavel: “Train movements, not muscle!”

Zentrale Prinzipien

Progressive Spannung (Tension)

  • Prinzip: Spannung im Körper erzeugt Effizienz und Sicherheit
  • Praxis: Beim Swing, Clean oder Press die Muskeln in Rumpf, Rücken und Hüfte bewusst anspannen, bevor die Bewegung startet
  • Effekt: Mehr Kraft-Übertragung, Stabilität und Schutz der Gelenke

Minimal, aber konsequent

  • Prinzip: Weniger Übungen, aber richtig ausgeführt, sind effektiver als viele Halb-Wiederholungen
  • Praxis: Pavel empfiehlt bewährte Drills wie Swing, Goblet Squat, Turkish Get-Up, Clean & Press regelmäßig, statt endlos neue Varianten zu probieren
  • Merksatz: “Do less, but do it perfectly!”

Drei Bonus-Tipps von Pavel: 

1. Doubles (Doppelte Kettlebells)

  • Ziel: Korrigiert muskuläres Ungleichgewicht, verstärkt Griffkraft und Core-Stabilität
  • Praxis: Double Front Squat oder Double Clean
  • Effekt: Du baust nicht nur Kraft, sondern auch Koordination und Körper-Kontrolle auf

2. Ladders (Leiter-Prinzip)

  • Prinzip: Progressive Wiederholungen, die die Muskeln graduell ermüden
  • Praxis: Beispiel: 1-2-3-4-3-2-1 Wiederholungen für Swing oder Press
  • Effekt: Optimal für Kraft-Ausdauer, steigert Volumen ohne totale Erschöpfung

3. Grease the Groove (GTG)

  • Prinzip: Häufige, submaximale Wiederholungen über den Tag verteilt
  • Praxis: Wenn möglich, 3 bis 10 saubere Wiederholungen mehrmals am Tag
  • Effekt: Stärkt neuromuskuläre Verbindungen, erhöht die Effizienz der Bewegung ohne große Ermüdung

Fazit: „Return of the Kettlbell“ ist subtil, praxisnah und tief. Pavel verkauft keine schnellen Fitness-Wunder, sondern echte Kontrolle und Kraft. Wer es liest und versteht, bekommt eine der solidesten Kettlebell-Ausbildungen überhaupt.

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Literatur Tagebuch

Der Mann, der mich zur Kettlebell holte

Eins vorweg: Ich schreibe hier nicht über Pavel Tsatsouline, der die Kettlebell im Westen bekannt machte. Der Ex-Sowjet gründete in den USA die Russian Kettlebell Certification (RKC) und StrongFirst und veröffentlichte mehrere Standard-Werke zum Thema.

Hier geht es um Timothy Ferriss, geboren 1977 in East Hampton bei New York. Als 2010 sein Bestseller „Der 4-Stunden-Körper“ erschien, machte er den Kettlebell-Swing zur Geheimwaffe für Menschen, die in kurzer Zeit Fett verlieren und Kraft aufbauen wollten.

„Wenn du nur eine Sache machst, dann mach Swings!“

Tim Ferriss erzielte mit 15 bis 20 Minuten Kettlebell-Training signifikante Veränderungen bei Gewicht, Ausdauer und Körper-Haltung. Sein Programm: Zwei- bis dreimal pro Woche 75 bis 150 Swings, häufig mit einer 24-kg-Kettlebell.

Das Kapitel „Stärker werden“ im „4-Stunden-Körper“ enthält sogar Beiträge von Pavel Tsatsouline. In seinem Beitrag nennt Pavel selbst zwei fundamentale Drills:

„The two best all-around exercises are the dead lift, and the kettlebell swing!“

Pavel steuerte nicht nur die technische Grundlage bei, sondern auch die Philosophie dahinter: Spannung, richtige Atmung und die Idee, Kraft systematisch aufzubauen. Begriffe wie „Tension“ oder „Grease the Groove“ fanden über Ferriss den Weg zu einer breiten Leserschaft.

Der Multiplikator

Während Pavel Anfang der 2000er-Jahre über den Verlag „Dragon Door“ die Kettlebell im Kraftsport einführte, erreichte Tim Ferriss ein ganz anderes Publikum. Viele probierten zum ersten Mal den Kettlebell-Swing – und erhielten damit intensive Erfahrungen.

Tim Ferriss hat das Kettlebell-Training nicht erfunden – aber auch er hat es populär gemacht. Indem er die Methoden von Pavel Tsatsouline in das Konzept des „4-Stunden-Körpers“ integrierte, verhalf er der „Kanonen-Kugel mit Griff“ zum Durchbruch in der Öffentlichkeit.

Timothy Ferriss: „Der 4-Stunden-Körper“, Juni 2011, Riemann Verlag, 608 Seiten

Foto (1): Taylor Prinsen, Riemann Verlag

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Literatur Tagebuch Trainer

Neu: Trainings-Tagebuch von Pia Scherenberger

Die Personal Trainerin Pia Scherenberger aus Köln (RKC Master) hat ihr „Trainingstagebuch: Trainingsjournal für funktionelles Training“ veröffentlicht. Als Autor wird „Iron Alex“ genannt – ein Pseudonym, hinter dem Pia selbst steht.

Für wen?

  • Einsteiger, die eine klare Struktur im Training suchen
  • Athleten, die Fortschritte nachvollziehen und dokumentieren wollen
  • Kettlebell- und Hantel-Training, funktionelles Training und Cross-Training

Hintergrund

„Die Idee für das Buch entstand, weil ich mir selbst ein Trainings-Tagebuch über Amazon kaufen wollte,“ sagte uns die Autorin. „Allerdings hat mir bei keinem angebotenen Modell der Aufbau zugesagt – vor allem, da ich mein Training in Blöcke unterteile. Auch fehlte die Möglichkeit, Kraft- und Ausdauer-Tests einzutragen oder weitere Infos zum ‚Warum‘ hinter den Einheiten.“

Aufbau und Inhalte

Das Trainings-Tagebuch umfasst 186 Seiten und ist in drei Editionen erhältlich: Schwarz, Grün oder Bunt. Die Autorin empfiehlt, mit den Übungen eines Workout fünf Trainings-Bereiche abzudecken:

  • Core: Übungen für Bauch- und Rumpf, Stabilität und Haltung
  • Skill: Technik und Bewegung
  • Power: Explosive Übungen mit Geschwindigkeit und Dynamik
  • Strength: Klassisches Kraft-Training
  • Finisher: Der Abschluss des Trainings, meist kurze Belastungen, um Herz-Kreislauf-System und Muskulatur noch einmal maximal zu fordern

Dazu kommen Jahres-Planung, Zwischen-Ziele und Re-Tests. Mit Platz für über 150 Workouts lässt sich damit ein komplettes Trainings-Jahr festhalten. Das Trainings-Buch ist undatiert, deshalb gibt es keinen Platzverlust nach Pausen, Krankheit oder Urlaub

Warum ein Buch statt Datei?

Dazu Pia Scherenberger: „Ich selbst habe noch Trainings-Tagebücher aus den 90ern. Für mich ist es deutlich motivierender, ein Buch in der Hand zu haben, damit zu dokumentieren und später darin zu blättern, als lediglich eine Datei zu pflegen.“

Für Sportler, die noch andere Werte aufzeichnen möchten, stellt Pia klar: „Die Herzfrequenz-Kontrolle erfolgt bei mir über eine App, eine bessere Darstellung ist hier durchaus möglich. Mehr als eine Seite pro Workout macht keinen Sinn, der Platz für Notizen ist bewusst so gewählt und für mich ausreichend.“

Die Rolle von „Iron Alex“ erläutert Pia so: „Das Pseudonym ‚Iron Alex‘ führt spielerisch durch das Buch und macht es auch für Sport-Beginner geeignet. Für den klassischen „Pumper“ ist das Konzept dagegen nicht gedacht – aber für diesen Bereich gibt es ausreichend Auswahl.“

Zur Autorin

Geboren in Leipzig, wird Pia Scherenberger 1994 Sachsen-Meisterin im Bodybuilding und 1995 Deutsche Vize-Meisterin im Bodybuilding (NABBA)

Bei RKC, der ältesten Kettlebell-Schule weltweit, ist sie als eine der ersten Kettlebell-Instruktoren in Deutschland zertifiziert. Als Master RKC gehört Pia zur deutschen Leadership und bildet zukünftige Kettlebell-Instruktoren aus

Seit 2012 lebt und arbeitet Pia Scherenberger als Personal Trainerin in Köln

Verfügbarkeit und Preis

  • Drei Farb-Editionen: Schwarz, Grün oder Bunt
  • Preis: 15,90 Euro pro Ausgabe
  • Erhältlich über Amazon

Fotos (3): Privat

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Tagebuch Training und Workout

Weniger bringt mehr?

Ein super-heißer Sommer, mein Training in Wohnung und Keller fällt schwer. Ich möchte auch nicht an die schweren Kettlebells, doch dafür erschließt sich ein ganz anderer Ansatz.

Kettlebell-Training ist kein Pump-Sport. Es geht nicht darum, einen Muskel „aufzupumpen“, bis er brennt – sondern darum, Kraft intelligent zu nutzen, Bewegungen zu meistern und den Körper als System zu begreifen.

So sieht des der Ansatz „Grease the Groove“ von Pavel Tsatsouline – oder: Weniger bringt oft mehr!

Statt dich im Training zu erschöpfen, kannst du auch jeden Tag ein bisschen stärker werden. „Grease the Groove“ bedeutet: Du trainierst eine Bewegung häufig, aber mit leichter Intensität – ohne Muskelversagen, ohne Erschöpfung. Genau richtig für den Hochsommer.

Beispiel: Du drückst die Kettlebell fünfmal am Tag – je nur einmal, mit perfekter Technik. Das summiert sich. Dein Nervensystem lernt. Deine Kontrolle wächst. Deine Kraft steigt.

Diese Art zu trainieren baut Stärke durch Wiederholung auf – nicht durch Erschöpfung. Und schon gar nicht durch Pumpen wie in den meisten Fitness-Studios.

Warum dein Körper ein System ist

Bewegung beginnt im Kopf. Dann kommen die Füße. Die Hüfte. Die Schultern. Die Arme. Die Kugel. Wer das ignoriert, trainiert im Chaos.

Technik bedeutet: Du steuerst die Kraft. Du kontrollierst den Pfad der Bewegung. Du weißt, wann du stark bist – und wann du pausierst, bevor es unkontrolliert wird.

Gute Technik schützt dich. Und sie macht dich langfristig stärker.

Spannung – oder: Die Kunst, sich nicht hängen zu lassen. Spannung ist kein Verkrampfen. Sie ist bewusste Kontrolle. 

Spannung entsteht in der Mitte: Bauch. Gesäß. Rücken. Nur wenn dein Körper stabil ist, kann Kraft fließen. Wer einfach nur „macht“, hängt in der Bewegung. Wer Spannung hält, steuert das Eisen.

Atmung – Das vergessene Werkzeug. Die richtige Atmung gibt Kraft. Sie stabilisiert das Zwerchfell, aktiviert den Rumpf und führt die Bewegung.

Atme ein, halte Spannung, entlade sie mit dem Ausatmen – taktisch, nicht automatisch. Beobachte Profis: Bei jedem Press, jedem Swing, jedem Snatch hörst du die Atmung.

Atmung ist kein Nebeneffekt. Sie ist Teil der Technik. Es geht nicht ums Pumpen. Es geht um Kontrolle.

Natürlich fühlt es sich gut an, wenn der Bizeps glüht. Aber Kettlebell-Training ist kein Bodybuilding. Es geht um Bewegungs-Qualität, Kraft-Übertragung und Körper-Bewusstsein.

Wer nur pumpt, wird müde. Wer mit Technik, Spannung, Atmung – und smarter Wiederholung – trainiert, wird besser.

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Anfänger Tagebuch Training und Workout

Bereit für den Deadlift?

„Perfektes Gerät für ein effektives Ganzkörper-Training: Die Kugelhantel.“ So wirbt Doppelherz heute für seine „essentiellen Aminosäuren mit Vitamin B6 und B12“ – und trifft damit den Nagel auf den Kopf. 

Das Foto zeigt eine Kettlebell mit 12 kg, erkennbar am blauen Farbcode und der eingravierten „12 KG“. Eine Person steht vor der Kettlebell wie kurz vor einem Deadlift.

Wer regelmäßig mit der Kettlebell arbeitet, der weiß: Kaum eine Übung ist so grundlegend, so funktionell und gleichzeitig so unterschätzt wie der Deadlift!

Der Start: Technik vor Gewicht

Bevor du überhaupt ans Heben denkst, zählt die Ausgangs-Position – präzise und sicher:

  • Kettlebell mittig zwischen den Füßen, der Griff zeigt quer, die Kugel etwa auf Höhe deiner Fußmitte
  • Füße schulterbreit, Zehen leicht nach außen, fest verwurzelt im Boden
  • Spanne deinen Rumpf an, ziehe den Bauch leicht ein, halte den Rücken neutral
  • Schiebe deine Hüfte nach hinten – nicht in die Knie wie bei einer Kniebeuge. Denk daran, wie du mit dem Po eine Tür schließen willst
  • Beuge den Oberkörper gerade nach vorn, wie ein Brett
  • Greife die Kugel mit beiden Händen, Arme gestreckt, Schultern direkt über oder leicht vor der Kugel
  • Zieh die Schulterblätter „in die Hosentaschen“
  • Dein Blick bleibt neutral nach vorn, Nacken in Verlängerung der Wirbelsäule
  • Atme tief in den Bauch, spanne dich auf – die Kugel ist „tot“, du hebst sie aus völliger Ruhe

Das ist der Beginn eines sauberen Kettlebell Deadlifts.

Für wen eignet sich der Deadlift mit 12 kg?

Nicht jeder muss mit 24 oder 32 Kilo starten. Die 12-kg-Kugel ist kein Spielzeug, sondern ein präzises Werkzeug für gezielte Ziele:

Anfänger

  • Ziel: Grund-Bewegung, Körper-Spannung
  • Warum: Niedriges Gewicht senkt das Verletzungs-Risiko
  • Ideal für: Trainings-Neulinge oder nach langer Pause

Ältere Menschen und Wieder-Einsteiger

  • Ziel: Kraft für den Alltag, sicheres Heben
  • Warum: Schonend für Gelenke, dennoch funktionell
  • Typisch: Senioren, die sich wieder unabhängiger bewegen wollen

Reha und eingeschränkte Beweglichkeit

  • Ziel: Bewegungs-Radius erweitern, kontrollierter Muskel-Aufbau
  • Warum: Technik vor Intensität – unter Anleitung
  • Wichtig: Physio-therapeutisches Konzept oder klare Strategie

Fortgeschrittene für Technik und Mobilität

  • Ziel: Technik-Feinschliff, Mobilität, Warm-up
  • Warum: Kontrolle, nicht Kraft – Fokus auf Details
  • Tipp: Kombiniere den DL mit isometrischen Halte-Phasen im Lockout

Schwangere und postnatales Training

(immer in Rücksprache mit Fachpersonal)

  • Ziel: Rumpf-Stabilität, bewusstes Bewegen
  • Warum: Moderate Last, hohe Körper-Wahrnehmung

Wann sind 12 kg zu wenig?

Für Kraft-Zuwachs und Muskel-Aufbau

  • Wer regelmäßig mit 24 kg oder mehr arbeitet, setzt mit 12 kg im Deadlift kaum Reize
  • Effekt: Der Deadlift verkommt zur „Pausen-Übung“, dir geht Trainings-Zeit verloren
  • Besser: Nutze 12 kg gezielt für Technik, als Mobilitäts-Booster oder Warm-up

Achtung bei Rückenschmerzen!

Ein häufiger Fehler: „Mit dem Rücken ziehen“ oder ein runder Rücken beim Heben ist auch bei leichtem Gewicht ein Risiko!

Regel: Erst Technik, dann Gewicht

Wenn du Rücken-Schmerzen hast, arbeite unbedingt mit professioneller Anleitung. Ein korrekt ausgeführter Deadlift kann helfen – ein falsch ausgeführter DL verschärft das Problem.

Das Fazit

Der Kettlebell Deadlift mit 12 kg ist ein Einstieg, ein wertvolles Tool für spezielle Trainings-Ziele und ein unterschätztes Mittel zur Technik-Pflege. Aber er ist kein Allheil-Mittel – und kein Ersatz für schweres Heben, wenn du echte Kraft-Reize setzen willst.

Foto(1): Queisser Pharma/Doppelherz

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