Wenn einer etwas von schweren Kettlebells versteht, ist es Andy Wiechmann von Combat Sports Lübeck, Senior RKC (Russian Kettlebell Challenge) und Prüfer der RKC-Zertifizierungen. In seinem Studio besitzt er zwei 60 kg Military Grade RKC Kettlebells von Dragon Door, sie kosten einzeln 330 Euro ohne Versand.
Aber es geht noch schwerer, denn 60 kg sind nicht das Ende der Fahnenstange. Mehrere US-Hersteller bieten Kettlebells bis 92 kg an, eine chinesische Gießerei ist sogar mit 108 kg dabei.
Aber: „Es macht wenig Sinn, mit diesen Kettlebells zu trainieren,“ sagte uns Andy. „Durch ihre Größe ist ein dynamischer Swing so gut wie unmöglich, und aus dem Swing wird eher ein schnelles Kreuzheben oder nur ein Deadlift. Auch beim Farmers Walk stoßen sie unangenehm ans Knie.“
Das Angebot wird knapp
Wer eine Kettlebell jenseits der 48 kg sucht, merkt schnell: Es wird eng. 48 kg markieren im Girevoy Sport die Obergrenze der genormten Wettkampf-Kugeln, diese Kugeln werden oft „The Beast“ genannt. Alles darüber liegt außerhalb des Standards – und damit auch außerhalb des Massen-Markts.
Die meisten Kettlebell-Hersteller liefern ihre Serien bis 32 kg oder 40 kg. Nicht, weil schwerere Kugeln technisch unmöglich wären. Sondern weil Nachfrage, Logistik-Aufwand und Reklamations-Risiko mit jedem Kilogramm steigen. Sehr schwere Gusskörper sind teuer in der Herstellung, anspruchsvoll im Versand und sprechen nur eine kleine Zielgruppe an.
Ein solches Training ist selten – aber keineswegs neu. Schon die frühen Kraft-Athleten wie Eugen Sandow (1867–1925) aus Königsberg oder Georg Hackenschmidt (1877–1968) aus Dorpat arbeiteten mit massiven, von Hand gegossenen Hanteln und Kettlebells. Einzel-Hanteln mit 30 bis 50 kg und Lang-Hanteln bis 100 kg waren keine Ausnahme.
Gewichtige Außenseiter
Schwere Kettlebells wie 92 kg sind inzwischen oft nur noch als Spezial-Artikel erhältlich – und bei vielen Herstellern ganz verschwunden.
- Die 60 kg Military Grade RKC Kettlebell ist die schwerste Kugel des ehemaligen Verlages Dragon Door aus Little Canada, Minnesota
- Rogue Fitness aus Columbus, Ohio bietet Kettlebells bis 92 kg aus duktilem Eisen an. Die Abstufungen sind 56 kg, 68 kg, 80 kg und 92 kg. Bis 48 kg arbeitet Rogue präzise in Kilogramm, auch wenn die Gewichte zusätzlich in Pfund angegeben sind. Eine 35-lb-Kugel wiegt also exakt 16 kg und nicht 15,87 kg. Genau umgekehrt ist es bei den Kettlebells über 48 kg, wie es Zach J. von Rogue auf unsere Anfrage erklärt: „Bei den größeren Kettlebells waren beim Umrechnen in Pfund möglichst runde Zahlen zu erreichen: 68 kg entsprechen 150 lbs, 80 kg entsprechen 175 lbs, und 92 kg liegen etwas über 200 lbs, wobei die Abstände zwischen den Gewichten weiterhin 12 kg betragen. Außerdem werden dadurch die größeren Sprünge von 16 kg reduziert, sodass der Übergang zu höheren Gewichten etwas leichter zu bewältigen ist.“
- Ader Sporting Goods aus Dallas, Texas, bietet mit den „Premier Monster Kettlebells“ ebenfalls Gewichte bis 92 kg an – in denselben Abstufungen wie Rogue. Diese Modelle werden über Amazon angeboten, sind jedoch nicht nach Deutschland lieferbar
- Kettlebell Kings führte schon Kugeln bis 92 kg (Competition und Powder Coat). Seit der Übernahme durch die Berliner Razor Group ist es im Sortiment deutlich ruhiger geworden. Sogar Kettlebells mit 12 kg und 16 kg sind zeitweise bei Amazon nicht bestellbar
- Auch OEM-Hersteller aus China produzieren schwere Kettlebells für Eigen- oder Fremdmarken, Dingzhou Ruichuang Metal Products hat sogar Kugeln mit 108 kg im Angebot. Hier schwanken jedoch Qualität, Verarbeitung und Beschichtung teils erheblich.
Foto (1): privat. Andy Wiechmann aus Lübeck beim 1-Hand-Swing mit einer 60 kg Kettlebell

Deathlon hat elf neue Kettlebells vorgestellt. Wir haben uns einige davon angesehen.
Die neuen Kettlebells kommen mit 4 kg bis 40 kg in Vierer-Stufen, dazu noch ein Zwischen-Gewicht von 6 kg. Auf der Kugel ist das Gewicht in kg graviert, auf der anderen Seite das Logo von Decathlon (Foto).
In der Decathlon-Filiale München-Elisenhof fanden wir die neuen Kettlebells mit 4 kg und 8 kg (Foto). Erster Eindruck: Sie sehen gut aus, aber der Griff ist immer noch nicht optimal. Viel zu schlank, viel zu hoch. Für den Bottom-Up muss ich mehr balancieren als mit meiner 8-kg-Kugel der Kettlebell Kings. Schade.
Nur zur Vollständigkeit: Decathlon hat auch eine neue verstellbare Kettlebell vorgestellt. Sie bietet Gewichte von 12 kg bis 24 kg in einem Gehäuse. Wie von Corength bekannt, ist die Basis mit einem stoßdämpfenden Gummi ausgestattet, der den Boden schützen soll. Aber die Themen Gummi-Basis und Verstellbar hatten wir schon.
In den Social Media tauchen gerade Hinweise auf die neuen „Rubber Coated Kettlebells“ von Nike auf. Die zweite Kettlebell-Reihe des Weltmarkt-Führers, der aus den Marken Nike, Jordan und Converse besteht.
Das Gewicht der neuen Kettlebells liegt zwischen 4 kg und 24 kg, deckt also das Level von Einsteigern und Fortgeschrittenen bestens ab. Zum ernsthaften Training bevorzugen die meisten Trainer und Studios aber die bewährten Gusseisen– oder Competition-Kettlebells ohne Gummi-Hülle.
Wir haben Kunststoff-Kettlebells noch nie für eine gute Idee gehalten. Sie sind weder langlebig noch verlässlich – und jetzt kommt auch noch ein Sicherheits-Risiko dazu.
Hier eine Checkliste für Gusseisen- und Competition-Kettlebells: Diese 5 Kriterien entscheiden über Qualität und Handling.
16 kg – Der Allrounder
28 kg Competition – Solide, aber keine Angeber-Kugel
Wechsel zur Competition-Bauform
Gusseisen-Kettlebells – Der Klassiker
Kettlebells aus Plastik – Günstig, aber gut?
Eine 4-kg-Kettlebell ist ziemlich leicht, aber für mehrere Zwecke sinnvoll:
Die Kugel ist auch nicht ganz rund, sondern an beiden Seiten etwas abgeflacht. Etwas merkwürdig wirkt der Boden, man sieht eine Delle und eine Erhebung (rechts) unter der roten Vinyl-Außenhaut. Damit ist die Unterseite der Kettlebell nicht eben und sie bleibt dadurch nicht stabil auf dem Boden stehen.
Wir wollten die neue Kettlebell auch wiegen, leider sind die 4 kg für die Küchenwaage zu schwer und für die Waage im Badezimmer zu leicht.