Es gibt Fitness-Studios, die vor allem Frauen ansprechen: Sanfte Beleuchtung, Pastell-Farben, ein ruhiges Design. Yoga- und Pilates-Kurse stehen im Mittelpunkt, dazu eine Atmosphäre von Sicherheit, Struktur und Gemeinschaft. Komfort zählt hier so viel wie Training.
Anders die Studio-Kultur, die stärker von Männern geprägt wird: Große Freihantel-Zonen, Maschinen, die nach Kraft aussehen, und Training aus Power-Lifting und Bodybuilding. Der Fokus liegt auf Technik, Leistung und Progression – weniger auf Kurs-Plänen, mehr auf eigenem Programm.
Old School an erster Meeres-Linie
Ein Studio, das diese zweite Welt verkörpert, haben wir auf Mallorca entdeckt. Direkt an der Playa de Palma, in erster Meeres-Linie von El Arenal.
Hier liegt das „Iron Gym“ von Andreas und Caro Robens. Bekannt wurde das Studio durch die VOX-Doku-Soap „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“, die seit 2011 den Alltag des Bodybuilder-Paares und den Aufbau ihres Gyms begleitet.
Ein Dienstag in Arenal
Es ist ein Dienstag-Vormittag. Wir stehen am Strand von Arenal, nur wenige Schritte vom Balneari 1 entfernt – dem Ort, den viele schlicht „Ballermann“ nennen.
Das Iron Gym ist leicht zu finden: Eine enge Seitenstraße, nur wenige Meter vom Meer entfernt. Keine große Fassade, kein Marketing-Glanz – eher ein Ort, den man kennt oder gezielt sucht. Millionen Urlauber sind an diesem Ort vorbeigelaufen – doch das Iron Gym ist kein typisches Touristen-Studio.
Wir gehen die Stufen hinauf, treten ein – und stehen direkt am Empfang vor Caro Robens, Inhaberin des Studios.
Training statt Lifestyle
Der erste Eindruck: Maschinen, Freihanteln, Cardio-Bereich. Die Atmosphäre ist Old School, sportlich, ehrgeizig – passend zur Bodybuilding-Haltung der Betreiber.
Obwohl Vormittag, ist das Gym bereits gut gefüllt. Auffällig viele Einheimische trainieren hier, dazu Rock-Musik, Poster und Bilder von Fitness-Ikonen an den Wänden. Niemand ist hier, um „ein bisschen Wellness“ zu machen. Hier wird trainiert.
Präsent, souverän, mittendrin
Caro Robens (hier im Gespräch mit unserer Reporterin) hat ihr Studio im Griff. Sie spricht fließend Spanisch, kennt viele Mitglieder persönlich, klärt Dinge nebenbei, tauscht ein paar Worte. Man merkt schnell: Das ist kein anonymes Ketten-Studio.
Die Zielgruppe ist klar, aber nicht eng: Ehrgeizige Sportler, Krafttraining-Fans, Stammkunden, die seit Jahren kommen – aber auch Menschen, die einfach fit werden oder bleiben wollen. Entscheidend ist nicht das Level, sondern die Haltung.
Eisen, Schweiß und Ehrlichkeit
Das Iron Gym hat bewusst seine Kult-Status gewahrt:
- Viel Eisen, viele Freihanteln, solide Maschinen
- Kein ChiChi, kein Spa-Feeling
- Training statt Lifestyle
Hier darf – und soll – gearbeitet werden. Kein Touristen-Studio, sondern auf Dauer-Betrieb ausgelegt. Viele trainieren hier seit Jahren, manche seit Jahrzehnten.
Laut Caro trainieren hier alle Altersgruppen: Vom Jugendlichen bis zu über 80-Jährigen, kurz: „von 8 bis 88“. Auch bekannte Persönlichkeiten schauen gelegentlich vorbei. Andreas und Caro selbst sind regelmäßig mehrmals pro Woche im Studio aktiv – sichtbar, nicht nur als Namen über der Tür.
Kettlebells zwischen Maschinen
Zwischen den klassischen Geräten entdecken wir auch mehrere Gusseisen-Kettlebells: Jeweils zwei pro Gewicht, von 8 kg bis 20 kg. Wer hier mit den 20ern als Double trainiert, sollte wissen, was er tut. Genau solche Sportler passen ins Iron Gym.
Auf der anderen Straßen-Seite betreibt das Gym seit 2014 eine zweite Trainings-Fläche – von Caro schlicht der „Maschinen-Raum“ genannt. Ursprünglich fanden dort Gruppen-Kurse statt, wurden von den Sportlern aber nicht wirklich angenommen.
Vielleicht trainieren Männer lieber allein, ziel-orientiert und leistungs-bezogen. Gruppen-Kurse spielen für sie meist eine kleinere Rolle. Gleichzeitig empfinden viele Männer volle Trainings-Räume als motivierend – besonders dort, wo Eisen bewegt wird und eine freie, nicht reglementierte Atmosphäre herrscht.
Kein Versprechen für jeden
In der Hoch-Saison kann es im Iron Gym sehr voll werden. Wer als Tourist spontan trainieren möchte, hat keine Garantie auf Platz oder Ruhe. Das Iron Gym richtet sich nicht nach Tagesgästen, sondern nach seinen Mitgliedern und Stammkunden.
Das Fazit
Das Iron Gym in Arenal ist kein Studio für jeden – und will es auch nicht sein. Vielmehr ein ehrliches, hartes Trainings-Studio an einem Ort, der sonst für Party und Urlaub steht. Gerade dieser Kontrast macht seinen Reiz aus.
Wer Eisen liebt, Schweiß akzeptiert und Training ernst meint, findet hier einen Ort mit Geschichte, Haltung und Seele. Old School – direkt am Meer.
Stand: Januar 2026. Mehr Infos: https://www.irongymarenal.com/
